Sankt Sebastianus Schützengesellschaft in Wort, Bild und Exponaten

Sankt Sebastianus Schützengesellschaft in Wort, Bild und Exponaten als ältester Verein von Remagen vorgestellt

Rund 60 Gäste zeigten sich beeindruckt

Ihre Sankt Sebastianus Schützengesellschaft einmal der Öffentlichkeit zu präsentieren, das lag dem Vorstand der Schützengesellschaft am Herzen. So hatte der Vorstand um den Vorsitzenden und Präsidenten Wolfgang Strang am Freitag zu einem Präsentationsabend in das katholische Pfarrzentrum eingeladen. Trotz weiterer Veranstaltungen in Remagen waren rund 60 Gäste gekommen, um sich den Präsentationsabend nicht entgehen zu lassen. Auch eine ganze Reihe von Schützen verfolgte zudem aufmerksam die Präsentation ihres Vereins von der Historie bis in die Gegenwart.
„Wir möchten ihnen heute Abend die Sankt Sebastianus Schützengesellschaft Remagen vorstellen, die nachweislich seit dem Jahr 1478 besteht und somit den ältesten und am längsten bestehenden Verein der Stadt Remagen darstellt“, betonte Wolfgang Strang nach der Begrüßung. Die Vorstellung übernahmen Präsident Wolfgang Strang und Oberleutnant Wolfgang Löffler im Wechsel, ergänzt durch Ausführungen über die Sportschützen von Tommy Pieper. Viel Arbeit im Vorfeld hatte sich Ralf Strang gemacht, der die Power-Point-Präsentation vorbereitet hatte.

Erlös für die Messdiener

Wolfgang Strang betonte zudem, dass der Erlös aus dem Abend für die Katholische Pfarrgemeinde sei, und zwar zweckgebunden für die Messdiener. Wolfgang Strang und Löffler stellten sich kurz vor. Beide sind seit über 40 Jahren im Verein engagiert und schon lange im Vorstand aktiv.

Die erste urkundliche Erwähnung der Sankt Sebastianus Schützengesellschaft stammt aus dem Jahr 1462, als in einer Rechnung des Kellners des Herrn von Landskron die Remagener Schützen erstmals namentlich erwähnt wurden. 1475 bei der Verteidigung der Stadt Remagen im Burgundischen Krieg halfen auch einige Remagener Schützen. Trotzdem unterlagen sie dem Ansturm des Reichsheers nach kurzer Belagerung. 1492 nahmen die Remagener Schützen am ersten auswärtigen Schützenfest in Ahrweiler teil, das seinerzeit noch als Schießspiel bezeichnet wurde.

Im gesamten 16. Jahrhundert existierten Remagener Schützen, wurden aber in dieser Zeit nicht besonders auffällig. Zumindest wurden sie urkundlich in diesem Jahrhundert nicht erwähnt. Erst 1715 wurde in den Geschichtsbüchern der Stadt das jährliche Vogelschießen der Remagener Schützen erwähnt. Und zwar hieß es dort, dass dies bereits ein alter Brauch sei.

Der erste urkundlich bekannte Schützenkönig war Gerhard Leuffen im Jahr 1716, der wie seine lückenhaft bekannten Nachfolger eine Vergütung seitens der Stadt erhielt. 1732 und 1755 schien die Begleitung der Fronleichnamsprozession derart beeindruckend gewesen zu sein, dass dieses Ehrengeleit in die Geschichtsbücher aufgenommen wurde. Die Zeit bis Mitte des 19. Jahrhunderts war eine ruhige Zeit für die Stadt und deren Bevölkerung als auch für die Schützen. Es war eine ärmliche Zeit verbunden mit Geldmangel und auch zahlreichen sonstigen Notständen.

Im Jahr 1843 trug die Gesellschaft noch den Namen Gilde. Im gleichen Jahr fassten sich 60 Remagener Bürgersöhne ein Herz, nachdem sich die wirtschaftlichen Verhältnisse gebessert hatten. Sie beschlossen eine aktive Wiederbegründung, um den Verein neu ins Leben zu rufen und die Aktivitäten wieder zu forcieren. Eine Satzung wurde beschlossen. Vereinsführer und Hauptmann wurde Johann Adam Deinet, Bürgermeister in Remagen.

Weiße und schwarze Bohnen

1851 verließ Bürgermeister Deinet die Stadt, die Gesellschaft wählte Stadtsekretär Weiß. Im gleichen Jahr wurde die Ballotage neuer Mitglieder, die Wahl mittels weißer und schwarzer Bohnen, eingeführt. Sie hält bis heute an. Ab dem Jahr 1853 wurde auch wieder eine zünftige Kirmes gefeiert. Die Gesellschaft nahm an allen kirchlichen Veranstaltungen teil. Nach einiger Abstinenz wurde 1854 auch wieder ein Schützenkönig ermittelt. Am 29. Juni 1854 besuchte der Erbauer der Apollinariskirche, Franz Egon Graf von Fürstenberg-Stammheim, die Stadt Remagen, um sich vom Baufortschritt der Kirche zu überzeugen. Bei dieser Gelegenheit nahm er auch am Schützenfest teil und errang die Königswürde der Schützengesellschaft.

Im folgenden Jahr schenkte er den Schützen ein silbernes Brustschild, geziert mit seinem und dem Wappen seiner Gemahlin, Gräfin Paula geborene Freiin von Romberg. Zudem sind eine Figur des Heiligen Sebastian und das Wappen der Stadt Remagen in diesem Schild eingearbeitet. Dieses Brustschild bildet noch heute das Kernstück der Königskette. Auf Fürsprache des Grafen Fürstenberg-Stammheim bei seiner Majestät, König Friedrich Wilhelm IV., erhielten die Schützen von Remagen das Privileg, einen Hirschfänger auf der Schützentracht zu tragen, was auch heute immer noch geschieht. Dies steht nur wenigen Schützengesellschaften überhaupt zu. Im Jahr 1871 wurde das erste bekannte Gruppenfoto von der Gesellschaft auf dem damaligen Schützenplatz hergestellt.

Zu den Schießständen der Remagener Schützen wussten Wolfgang Strang und Löffler zu berichten, dass der älteste bekannte Schießplatz der Schießgraben sei. Er befand sich unterhalb der heutigen Marktstraße Richtung Rheinwerft in der Obergasse entlang der Stadtmauer (Et Mürbeler Loch). Dies war bereits vor 1843. Nach der Wiederbegründung der Schützengesellschaft 1843 befand sich der Schießstand zunächst auf einem in der Bergstraße gelegenen Grundstück. Heute stehen dort die Anwesen Apollinarisberg 3 und 5.

Geschossen wurde Richtung Blankerts Hohl. Der dritte Schießstand wurde im Jahr 1848 hinter dem damaligen Vereinslokal auf der Raukampchen Wiese am Inneren Graben angelegt. Aber auch dort wurden die Schießspiele mit ihren nicht unerheblichen Nebenwirkungen nicht länger als zwei Jahre hingenommen. Bereits 1850 wurden die Schützen zwischen der heutigen Bismarkstraße und dem Eisenbahngelände fündig und legten im dortigen „Baumfeld“ den mittlerweile vierten Schießstand an.

Dieses Grundstück konnte rund 20 Jahre für Schießspiele und Tanzveranstaltungen genutzt werden. 1971 bis 1881 war die neue Adresse für die Schießspiele der Drususplatz. Und zwar genau dort, wo später der Viktoriasaal gebaut wurde. Der Platz musste aber dann geräumt werden, da sich die Rheinische Eisenbahn ständig wegen einiger verirrter Kugeln beschwerte. Größere Personenschäden sind allerdings nicht bekannt.

Zweites Gruppenfoto

Von 1881 bis 1901 stellte der Schützenbruder Johann Wilhelm Müller sein Grundstück „Auf Leims“ als Schießplatz zur Verfügung. Dieses Grundstück lag neben und oberhalb des heutigen Krankenhauses. Hier wurde auch das zweite Gruppenfoto im Herbst 1892 geschossen. Nach 20 Jahren stand auch dieser Platz nicht mehr zur Verfügung, da Müller dieses Grundstück veräußerte. Seit 1902 ist der heutige Schützenplatz Eigentum der Remagener Schützengesellschaft. Die Schützen kauften dieses Grundstück „Auf Hochofen“ und vergrößerten den Schützenplatz durch kontinuierliche Zukäufe weiterer Parzellen. Im Jahr 1908 entstand die erste kleinere Halle.

Der heute Bestand liegt bei 98 aktiven Mitgliedern, davon 19 Schüler und Jungschützen. Weiterhin hat die Gesellschaft noch rund 30 Förderer. Die Werte Glaube, Sitte und Heimat gelten noch heute. Die Schützengesellschaft Remagen pflegt freundschaftliche Kontakte zu anderen Schützenbruderschaften, zur Bevölkerung, der Pfarrgemeinde und den Remagener Vereinen. Ein großer Applaus war Wolfgang Strang und Löffler sowie Ralf Strang für die Aufbereitung der Historie der Sankt Sebastianus Schützengesellschaft sicher. – AB –